Die Betriebe sehen sich zunehmend gezwungen, Angebote nur noch mit sehr kurzen Bindefristen abzugeben. Gleichzeitig geraten laufende Bauprojekte wirtschaftlich unter Druck, da Preissteigerungen häufig nicht weitergegeben werden können. Besonders kritisch: Die Auswirkungen reichen weit über das Handwerk hinaus. Bauprojekte werden verzögert oder ganz gestoppt, Investitionen bleiben aus und der dringend benötigte Wohnungsbau wird weiter ausgebremst. „Hier sollte die Politik dringend Akzente setzen, sonst bleibt der deutsche Wohnungsbau auf Jahrzehnte hinaus gefährdet, da ohnehin weniger Wohnungen gebaut werden als benötigt. 2025 wurden lediglich 235.000 Wohnungen in Deutschland gebaut. Das Ziel der Bundesregierung waren mit 400.000 fast doppelt so viele. Und das war noch vor der erneuten Krise. Am Ende bedeutet weniger Bau immer auch weniger Angebot und damit höhere Preis für alle“, resümiert Urs Nies.
Forderungen an Politik und Industrie
Der Roofer‘s Club fordert daher von der Industrie mehr Transparenz bei der Preisgestaltung sowie eine politische Überprüfung der aktuellen Marktentwicklung, ähnlich wie beim Spritpreis. „Es stellt sich die Frage, ob viele Preisentwicklungen in dieser Form noch marktgerecht sind“, so der Verbund. Zudem sprechen sich die Betriebe für verbindliche Preisgleitklauseln bei öffentlichen Bauprojekten aus, um mittelständische Unternehmen vor unkalkulierbaren Risiken zu schützen. „Unser wichtigstes Ziel ist Planungssicherheit im Handwerk, damit nicht noch weitere Bauprojekte gefährdet werden“, so Urs Nies. Weiterhin fordert der Roofer’s Club von der Industrie verbindliche Preisbindungen für drei Monate und eine flexible Anpassung der Preise nach unten bei sinkenden Rohstoffkosten. Von der Politik wünscht sich die Vereinigung Sonderabschreibungen für private und öffentliche Auftraggeber und Förderprogramme bei extremen Materialpreisschwankungen. Dazu startet der Roofer’s Club eine eigene Kampagne unter dem Titel „Initiative Bezahlbares Bauen“, um auf die Situation im Dachhandwerk aufmerksam zu machen.
Initiative Bezahlbares Bauen
Geplant sind eine umfangreiche Social-Media-Kampagne, Pressearbeit und Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern und der Industrie. „Wir müssen jetzt reagieren, denn viele Kollegen sind bereits am Limit“, erzählt Stefan Bern, Dachdeckermeister aus Mönchengladbach. „Die Situation ist dramatisch, das kann man leider nicht anders sagen. Wenn die Politik, die Industrie und wir alle nicht aufpassen, dann entstehen hier Schäden in der deutschen Bauwirtschaft, die wir so schnell nicht wieder beseitigen können. Hier ist die Politik gefordert, mit wirkungsvollen Maßnahmen gegenzusteuern. Vielleicht kann man kurzfristig die Mehrwertsteuer auf Bauleistungen senken. Damit wäre allen geholfen. Und sicherlich muss auch das Bundeskartellamt mal intensiver auf die Rohstofflieferanten blicken.“
Der Roofer’s Club vertritt bundesweit Dachdeckerbetriebe mit insgesamt rund 1 Milliarde Umsatzvolumen und mehreren Tausend Beschäftigten in Deutschland, darunter einige der größten Firmen Deutschlands wie die Hanebutt Gruppe, Hörnschemeyer Dächer oder Stefan Bern, der mehrere Dachunternehmen in Mönchengladbach besitzt. Managing Director Urs Nies, Stefan Bern und weitere Mitgliederbetriebe stehen gerne für Interviews oder Fragen bereit.