Innerhalb weniger Wochen sind die Preise für Bitumenprodukte, Dämmstoffe, Flachdachsysteme und weitere rohölabhängige Baustoffe um bis zu 40 Prozent gestiegen. Gleichzeitig berichten Betriebe von kurzfristigen Lieferstopps und verkürzten Preisbindungsfristen – obwohl nach Marktangaben vielerorts ausreichende Lagerbestände vorhanden sind. Die nahezu zeitgleichen Preisbewegungen werfen aus Sicht der Verbände berechtigte Fragen zur Markttransparenz und Preisbildung auf.
Während Industrie und Großhandel kurzfristig auf veränderte Rohstoffmärkte reagieren können, arbeitet das Handwerk mit langfristigen Auftragsvorläufen und festen Bauverträgen. Viele Betriebe finanzieren die Mehrkosten derzeit aus der eigenen Substanz, da derartige Preissteigerungen gegenüber privaten Bauherren und Wohnungsbaugesellschaften kaum durchsetzbar sind. Die wirtschaftliche Planungssicherheit des Mittelstands steht auf dem Spiel.
„Das Handwerk ist nicht das Problem – das Handwerk ist Teil der Lösung. Doch ohne wirtschaftliche Stabilität und politische Unterstützung werden viele Betriebe die kommenden Monate nicht schadlos überstehen." Urs Nies, Initiative Bezahlbares Bauen & Roofer's Club
Sechs konkrete Forderungen an die Politik
- Sofortige Wiedereinführung von Preisgleitklauseln bei öffentlichen Bauaufträgen
- Steuerliche Sonderabschreibungen und Förderanreize für private Bauherren und Sanierungsmaßnahmen
- Kritische Überprüfung auffälliger Marktpreisbewegungen und Lieferbeschränkungen
- Kurzfristiger Branchendialog zwischen Politik, Industrie, Handel und Handwerk
- Maßnahmen zur Sicherung von Materialverfügbarkeit und Marktstabilität
- Stärkere wirtschaftspolitische Unterstützung des mittelständischen Bau- und Ausbauhandwerks
Die Verbände appellieren eindringlich an die Ministerin, die Entwicklung nicht als vorübergehende Marktbewegung zu behandeln, sondern als ernsthafte Gefahr für zentrale Teile der deutschen Bauwirtschaft und des Mittelstands zu werten.